Lichtblicke nach dem Lockdown Barbara Kottke und Hans-Jörg Unterrainer sperren den "Kirchenwirt" wieder auf.

Was treibt die KöchInnen und GastronomInnen im alpinen Raum an, die nun wieder ihre Häuser aufsperren und ihre Gäste bewirten? Was wird sich im Tourismus und der Gastronomie unter dem Eindruck von Klima- und Corona-Krise ändern? Und wie kann man auch in schwierigen Zeiten mit alpiner Küche und Gastlichkeit Erfolge feiern?
Wir starten ein Serie von Interviews mit Hans Jörg Unterrainer, dessen „Kirchenwirt“ schon seit 1326 durchgängig betrieben wird – das älteste Gasthaus im SalzburgerLand.

Hans-Jörg Unterrainer führt mit seiner Schwester Barbara den historischen Kirchenwirt in Leogang im SalzburgerLand, dessen Wirtshausgeschichte bis ins Jahr 1326 zurück reicht. Im Falstaff wird er mit 91 Punkten und 3 Gabeln und im Gault Millau mit zwei Hauben bewertet. Der Weinkeller zählt zu den spannendsten im Alpenraum und das Hotel mit 18 Themenzimmern und Suiten erfreut sich großer Beliebtheit bei traditionsbewussten Gästen.

Frage: Österreich war eben in Vorbereitung sich als kulinarische Destination zu positionieren, das wurde sogar in der Regierungserklärung als Ziel formuliert. Ist das durch die Corona-Krise nun erschwert – oder ist jetzt sogar ein besserer Zeitpunkt dafür, weil wir vor einen Paradigmenwechsel stehen?

Hans-Jörg Unterrainer: „Nachhaltig denkende Regionen und deren Betriebe haben sich ohnehin schon einige Jahre als kulinarische Destinationen positioniert, ohne einem Trend oder einer Marketingvorgabe zu folgen. Wenn ich Saalfelden-Leogang anschaue, dann darf ich mit Stolz behaupten, dass wir kulinarisch von der Landwirtschaft bis zur Gastronomie sehr innovativ sind, eng zusammenarbeiten und dementsprechend gut aufgestellt in die Zukunft blicken dürfen! Wir werden von unseren Gästen als kulinarisch hochwertige Region wahrgenommen und es zeigt sich immer mehr, dass das für viele ein mitentscheidender Grund bei der Auswahl der Urlaubsdestination ist.

Gerade ist es eine Art Trend, jedoch schon längst überfällig, die Wertschätzung gegenüber unseren Landwirten und den bäuerlichen Betrieben und Produzenten. In der Krise ist deutlich sichtbar geworden, wer in der Bedürfnispyramide die Basis bildet und welche großartigen Produkte unsere Landwirte produzieren.
Ich sehe diese Zeit als Chance, dass Konsumenten die heimischen Top-Erzeugnisse wieder mehr schätzen und in weiterer Folge auch bereit sind mehr dafür auszugeben.“

  • Barbara Kottke und ihr Bruder, Hans Jörg Unterrainer

Schon vor der aktuellen Situation gab es die Debatte über mehr Nachhaltigkeit im Tourismus. Was verstehst Du darunter, bzw. wie lebst Du die Nachhaltigkeit in dem Betrieb?

Hans-Jörg Unterrainer: „Der Tourismus war im Eiltempo unterwegs, viele Jahre immer auf der Überholspur. Das war jedoch generell so, in der Wirtschaft aber auch im Alltag wurde alles unaufhaltsam schneller. Durch die Covid19-Krise wurde sehr vieles, sehr rasch entschleunigt. Wir werden gemeinsam mit unserem Team versuchen es als Chance zu sehen, gewisse Abläufe zu hinterfragen und eventuell auch neu auszurichten.
Nachhaltigkeit in unserem Betrieb beginnt bei regionalen Kooperationen mit heimischen Bauern, Produzenten und Lieferanten und verleiht dem Kirchenwirt eine regionale individuelle Note. Viele wiederkehrende Stammgäste, die wir mit diesem Konzept überzeugen konnten, sind nur ein Indiz, dass eine nachhaltige Entwicklung im Tourismus und das Qualitätsbewusstsein beim Konsumenten schon in absehbarer Zeit wieder für die nötige Stabilität unserer Branche sorgen wird.“

Was erwartet Deine Gäste, wenn Du den Kirchenwirt am 29. Mai aufsperrst?

Hans-Jörg Unterrainer: „Irgendwie seltsam, denn ein Aufsperren hat noch nie schlechtere wirtschaftliche Aussichten auf Erfolg gehabt, dennoch ist die Freude auf den Saisonstart größer als je zuvor. Wir werden versuchen zum kulinarischen und vinophilen Angebot unseren Gästen auch ein zeitliches und vor allem räumliches Erlebnis zu bereiten.
Da wir weniger Gäste bewirten können bzw. dürfen, haben wir für die Gäste, die im Haus sind, mehr Zeit und ich und mein Team können individueller auf sie eingehen. Das neue Zusammenspiel von Raum und Zeit in der Gastronomie, die Interaktionen mit den Gästen – all das ist für uns als Gastgeber wahnsinnig spannend und natürlich auch eine große Herausforderung.

Wirtschaftlich wäre es wahrscheinlich klüger, erst im Dezember die Pforten zu öffnen, aber es ist an der Zeit gemeinsam an der Zukunft zu arbeiten, denn jeder Beitrag zählt. Gemeinsam anpacken ist die Devise, denn auch für unsere MitarbeiterInnen, Produzenten und Landwirte ist es ungemein wichtig wieder neue Perspektiven mit Planungssicherheit zu haben. Alles in allem wäre es undenkbar nicht zu öffnen, im Gegenteil, es kribbelt schon jetzt, wenn ich an den Moment denke, wenn wir die ersten Gäste begrüßen dürfen. Das wird wahrscheinlich ein emotionaler Moment!“

Kirchenwirt seit 1326
Hans Jörg Unterrainer, Barbara Kottke
5771 Leogang 3
Tel. +43/6583/82 16
hotelkirchenwirt.at